Ein allgemein unbekanntes, aber weit verbreitetes Krankheitsbild des Kauorgans ist der sog. Bruxismus, bekannter unter Zähneknirschen und Pressen.
Wenn beim Kieferschluß oder bei der Kieferseitwärtsbewegung an einem oder mehreren Punkten im Gebiß - bedingt durch zu hohe oder falsch geformte Füllungen, Kronen, Brücken oder sonstigen Ersatz oder auch Zahnfehlstellungen, vor allem bei den Weisheitzähnen - Kontakt zwischen gegenüberliegenden Zähnen entsteht, bevor alle anderen Zähne Kontakt zueinander finden, wird dies im Unterbewußtsein des Patienten als Störung empfunden. Durch Zähneknirschen oder kraftvolles Pressen der Zähne aufeinander wird besonders im Schlaf versucht, diese Fehlkontakte zu beseitigen. Verstärkt wird dieses Knirschen durch Streßsituationen. Im fortgeschrittenen Stadium knirscht der Patient auch tagsüber und wenn die ursprünglich auslösenden Reize längst beseitigt sind.
Da das Kauorgan nicht für dauernde Belastung unter großer Krafteinwirkung und in horizontaler Richtung geschaffen ist, wird es mit der Zeit massiv geschädigt:
Die Zähne werden durch den verstärkten Abrieb kürzer. Besonders auffällig sind hier meist die oberen Eckzähne.
Der Kieferknochen bildet sich ohne Entzündung wangen - und lippenwärts zurück. Die Zahnhälse liegen weit frei.
Das Zahnfleisch zieht sich zurück.
Der Zahnhalteapparat, der nur Belastung direkt von oben aufnehmen soll, wird durch die dauernde horizontale Belastung geschädigt.
Das Kiefergelenk wird vermehrt " abgerieben ", der Bänderapparat des Kiefergelenks wird chronisch überdehnt. Es folgen Kiefergelenksknacken, eingeschränkte Mundöffnung und Schmerzen bei der Mundöffnung. Im fortgeschrittenen Stadium kann jedes Gähnen dazu führen, daß das Kiefergelenk ausgerenkt wird. Symptom einer Kiefergelenkserkrankung sind auch Schmerzen im Ohrbereich.
Die Kaumuskulatur, die mimische Muskulatur und die Nackenmuskulatur verspannt sich. Außer Muskelschmerzen sind auch Kopfschmerzen, oftmals bereits nach dem Aufstehen, typisch.
Da bei diesem Krankheitsbild auch die Seele des Menschen eine wichtige Rolle spielt, ist es sehr schwer zu heilen.
Wichtig ist es natürlich, keine Fehlkontakte der Zähne zu schaffen, die dieses Krankheitsbild erst auslösen. Bei einzelnen Füllungen mit relativ weichem Material wie Kunststoff oder bei einzelnen Inlays oder Kronen können wir durch einfaches Einschleifen optimale Bißverhältnisse schaffen. Bei größeren Versorgungen, besonders wenn sie auf einer Kieferhälfte mehrere Zähne betreffen, spielt ein weiterer Aspekt eine große Rolle: Die Punkte, an denen die Oberkieferzähne und die Unterkieferzähne aufeinander treffen, sind stark abhängig von der Neigung des Oberkiefers zum Unterkiefer, die bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Der Zahntechniker, der Ihre Kronen, Brücken, Inlays oder sonstiges herstellt, muß also bei der Modellation diese Kieferneigung miteinbeziehen. Deshalb vermessen wir mit einem bestimmten Gerät - dem Übertragungsbogen - die Kieferneigung, die der Zahntechniker dann in einem Kausimulationsgerät einstellen kann. So können wir sicher sein, daß Ihre Versorgung unter allen Aspekten optimal paßt.
Patienten, die unter Bruxismus leiden, ist wie bereits erwähnt, sehr schwer zu helfen. Ein Therapieplan schaut wie folgt aus:
Erhebung eines Funktionsstatus
Bei dieser Untersuchung werden alle Symptome der Erkrankung systematisch erfaßt, um die Schwere der Erkrankung festzustellen.
Modellanalyse
Nach Abdrücken von Ober - und Unterkiefer, Herstellen von Kiefermodellen und Vermessen der Neigung von Ober- zu Unterkiefer werden die Kiefergipsmodelle in ein Kaufunktionssimulationsgerät, dem Artikulator, eingespannt. Dadurch können die Fehlkontakte beim Kieferschluß und bei der Kieferseitwärtsbewegung aufgespürt werden.
Einschleiftherapie
Die Erkenntnisse der Modellanalyse ermöglichen uns nun, die Fehlkontakte in Ihrem Gebiss durch beschleifen zu beseitigen.
Begleitend zur oben genannten Vorgehensweise fertigen wir eine dünne, durchsichtige Plastikschiene an, die Sie nachts über Ihre Zahnreihen legen sollen. Diese Schiene ist so ausgelegt, daß sie keine Fehlkontakte zu den Zähnen des Gegenkiefers aufweist. Dadurch werden Zähne, Muskulatur und Kiefergelenk entlastet.
Eine Begleittherapie mit Akupunktur ist oftmals sinnvoll.